Über das polnische Bildungssystem

Das polnische Bildungssystem

Das polnische Bildungssystem besteht in seiner aktuellen Form seit dem 01. September 1999.

Im Gegensatz zum deutschen Bildungssystem, in dem die Kulturhoheit der Länder jedem der sechzehn Bundesländer erlaubt, den Bildungsbereich durch eigene Bestimmungen zu gestalten, ist die Struktur des Bildungswesens in Polen im gesamten Land identisch. Dies steht in Verbindung mit der zentralisierten Bildungspolitik, für die das Ministerium für Nationale Bildung (Ministerstwo Edukacji Narodowej – MEN) und das Ministerium für Bildung und Hochschulwesen (Ministerstwo Nauki i Szkolnictwa Wyższego) zuständig sind. Das Ministerium für Nationale Bildung verantwortet den Grundschul- und den Mittelschulsektor (die allgemeine Schulbildung), der Hochschulbereich dagegen unterliegt dem Ministerium für Bildung und Hochschulwesen.

Das Ministerium für Nationale Bildung beaufsichtigt das Schulwesen mithilfe von sechzehn Bildungskuratoren. In jeder Wojewodschaft gibt es einen Kurator, dessen Funktionen und Befugnisse jedoch keinerlei Vergleich mit einem Kultusminister oder -senator in einem der deutschen Bundesländer zulassen.

In den Zuständigkeitsbereich der lokalen Selbstverwaltungen fällt die Administration des Schulwesens. So tragen Gemeinden die Verantwortung für die Finanzierung und den ordnungsgemäßen Betrieb von Kindergärten, Grundschulen und Gymnasien, für die Verwaltung der weiterführenden, übergymnasialen Schulen sind hingegen die Landkreise zuständig. Dies hat zweifelsohne gute wie schlechte Seiten. Die lokalen Verwaltungsorgane kennen die Bedürfnisse und Probleme der Bildungseinrichtungen in der eigenen Region, sodass z. B. ein Schulleiter die finanzielle Lage seiner Schule viel einfacher direkt mit dem Gemeindevertreter besprechen kann. Dies stützt die generelle Annahme, dass die Ausgaben für das Schulwesen gezielt und dem tatsächlichen Bedarf entsprechend verteilt werden. Andererseits wurden erhebliche Unterschiede in der finanziellen Sicherung und, damit zusammenhängend, der Ausstattung der Schulen in verschiedenen Regionen festgestellt. Da die Gemeinden und Landkreise je nach regionaler und wirtschaftlicher Lage nicht in gleichem Maße begütert sind, wirkt sich die finanzielle Lage des Schulträgers direkt auf die Ressourcen der Schule aus. So stehen Schulen aus den wohlhabenden Stadtteilen Warschaus im auffallenden Gegensatz zu Schulen, die zwar nicht mal fünf Kilometer entfernt liegen, aber von einer anderen Gemeinde finanziert werden. Nicht unbedeutend für das Bildungsniveau der Schulen ist außerdem die Erreichbarkeit der Kulturgüter, die in Großstädten selbstverständlich wesentlich einfacher ist.

Das Reformjahr 1999

Der 8. Januar 1999 war ein denkwürdiges Datum für die Entwicklung des polnischen Bildungssystems, da an diesem Tag eine grundlegende Reform eingeleitet wurde.
Welche Motive die damalige Regierung dazu veranlasst haben, eine so umfassende Reform des Bildungssystems durchzuführen, soll im Folgenden dargelegt werden.


Piotr Kwiatkowski / 2010-01-20
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